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nachrichten-Newsletter 04/2019


INHALTSVERZEICHNIS


SYNODE AKTUELL

Synodalpräsidentin: Kirche muss „Friedensdienst“ leisten

Die bayerische Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel hat zum Auftakt der in Lindau tagenden Landessynode die Kirche eindringlich zu einem umfassenden Engagement für den Frieden aufgerufen. Die Kirche müsse „Friedensdienst“ in einer von Konflikten zerrissenen Welt leisten, sagte Preidel in ihrer Eröffnungsansprache vor dem Kirchenparlament der 2,4 Millionen bayerischen Protestanten. Dazu gehöre der Einsatz für Menschen, die aus erschütterten Weltgegenden geflüchtet seien, aber auch den Menschen hier, „deren Herzen verängstigt sind, die sich abschotten und die Grenzen schließen möchten“, erläuterte Preidel. Außerdem müsse die Kirche „Rituale des öffentlichen Erinnerns“ an die verheerenden Weltkriege befördern. Da es immer weniger Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs gebe, müsse an die Stelle des individuellen Erinnerns das „kollektive Gedächtnis“ dieses fürchterlichen Krieges treten. Ein öffentlicher Markstein auf diesem Weg soll Preidel zufolge die Frühjahrstagung der Landessynode sein, die sich dem Schwerpunktthema Frieden widme. Große Hoffnungen setzt die Synodalpräsidentin in das umfassende kirchliche Reformkonzept „Profil und Konzentration“ (PuK), mit dem die Kirche mit ihrer Botschaft die Menschen wieder neu in ihren jeweiligen Lebenssituationen erreichen will. Die Maßnahmenvorschläge, die der Synode zur Entscheidung und weiteren Bearbeitung vorliegen, sollen zu einer Neuausrichtung der kirchlichen Aufgaben und zu einer besseren Kooperation der verschiedenen kirchlichen Berufsgruppen führen, sagte Preidel.

Bischof Bedford-Strohm: „Killerroboter“ verbieten

Die Kirchen sollen sich nach Überzeugung des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm für ein Verbot von „Killerrobotern“ stark machen. Die technologischen Entwicklungen im digitalen Zeitalter machten autonome Waffensysteme und „Tötungsentscheidungen“ mit Hilfe künstlicher Intelligenz möglich, sagte der Bischof in seinem Bericht vor der Landessynode. Bisher sei es nicht gelungen, solche Waffensysteme durch einen Konsens der Vereinten Nationen (UN) völkerrechtlich zu verbieten. Deshalb sollten sich die Kirchen einer internationalen Kampagne zur Ächtung dieser Killerroboter anschließen. Wie das „zynische Propaganda-Kalkül“ des Attentäters von Christchurch in Neuseeland zeige, brauche das Internet die besondere Aufmerksamkeit auch der Kirchen, weil es eine der „wichtigsten Quellen von Unfrieden“ sei. Mit jeder Kopie oder jedem Teilen des Videos, das der Attentäter ins Netz gestellt habe, stürben die Opfer einen weiteren Tod. Es dürfe nicht hingenommen werden, dass es im Netz eine rechtsextremistische Subkultur gebe, die offensichtlich global vernetzt sei. In einem Europa, in dem sich Spaltungstendenzen verstärkten und sich Bewegungen ausbreiteten, die Hassbotschaften aussendeten, sollen die Kirchen für einen Weg der Versöhnung einstehen, betonte der Bedford-Strohm.

Pfarrer-Pensionen stehen nicht zur Disposition

Die Pensionen der bayerischen Pfarrer stehen nicht zur Disposition. Wie Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm vor der in Lindau tagenden Landessynode sagte, soll das Eckpunkte-Papier mit Vorschlägen zu einer Neugestaltung der Versorgungsleistungen für Pfarrer und Kirchenbeamte auf der Synodaltagung nicht behandelt und beschlossen werden. Denn bei dieser Tagung solle alle Kraft in die inhaltlichen Prozesse gesteckt werden, mit denen die Landeskirche sich und ihre Angebote neu aufstellen wolle. Auch der Landessynodalausschuss hatte dem Kirchenparlament nahegelegt, die Vorlage eines Ausschusses zur Versorgung zurückzustellen. Angesichts der laufenden umfangreichen kirchlichen Reformprozesse wie „Profil und Konzentration“ (PuK) und einem Konzept zu einer besseren Kooperation der verschiedenen kirchlichen Berufsgruppen sei nicht der Zeitpunkt, um entsprechende Beschlüsse zur Versorgung zu fassen, sagte die Synodale Beate Schabert-Zeidler in dem Rechenschaftsbericht des Landessynodalausschusses. Die Versorgungsleistungen für die 2.300 bayerischen Pfarrer sollten auf den Prüfstand gestellt werden, weil die evangelische Landeskirche immer stärker in eine finanzielle Zwickmühle kommt: Während die Einnahmen langfristig sinken, bleiben die Ausgaben, vor allem im Personalbereich, weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Vorschläge zu einer Reform, die unter anderem eine längere Lebensarbeitszeit der Pfarrer sowie Kürzungen bei den Pensionen und des Weihnachtsgeldes vorsahen, waren auf starken Widerstand aus der Pfarrerschaft gestoßen. Allerdings solle „mittel- und langfristig am Ziel der nachhaltigen Begrenzung der Versorgungsaufwendungen“ festgehalten werden, betonte Schabert-Zeidler. Auch Landesbischof Bedford-Strohm sagte, dass die Versorgungsleistungen weiterhin ein wichtiges Thema für die finanzielle Gestaltung der Zukunft der Kirche blieben.

Evangelische Landeskirche beschließt Reformprozess

Mit großem Applaus, Standing Ovations und Dank an die PuK-Verantwortlichen zeigten die Synodalen ihre große Zustimmung zum Reformationsprozess „Profil und Konzentration“. Mit nur einer Enthaltung wurden die Vorlage, die Strategischen Ziele und die Beschlussempfehlung angenommen. „Es ist ein Ausrufezeichen hinter einem zweijährigen Prozess, der viele mitgenommen hat. Zugleich ein Riesenzeichen des Mutes und des Willens, an die Umsetzung zu gehen.“ Oberkirchenrat Nikolaus Blum sagte Dank an alle, die in diesem Prozess mitgearbeitet haben.
Zuvor hatte die Arbeitsgruppe eine 64-seitige Dokumentation mit Arbeitsergebnissen präsentiert. Das Papier skizziert eine Zukunftsvision der evangelischen Kirche im Jahr 2030 und enthält einen Maßnahmenkatalog mit 80 konkreten Empfehlungen. Damit würden ein strategischer Rahmen und eine Methodik für die weitere Arbeit zur Verfügung gestellt, hieß es in der Beschlussvorlage für die Synodalen. Die Projektverantwortlichen hatten vorgeschlagen, die strategischen Ziele und Maßnahmenvorschläge nun zu priorisieren. Bei der Herbstsynode 2019 soll ein erstes Maßnahmenpaket beschlossen werden. Die weiteren Schritte sollen im Frühjahr 2020 vorgestellt werden. Die Zukunftsvision schildert die Kirche im Jahr 2030 als „lebendige, hoffnungsvolle und einladende Glaubensgemeinschaft“ mit klarem Profil. Entscheidungswege sollen vereinfacht, Gremien verschlankt, Sitzungszeiten begrenzt werden. „Im Jahr 2030 hat unsere Kirche einen Systemwechsel vollzogen: weg vom kräftezehrenden Anspruch der geistlichen Rundum-Versorgung hin zu einer Kultur, die sich an den biblischen Bildern des Säens und Wachsenlassens orientiert“, heißt es etwa in der „Zielvision“. Die Aufgaben der Kirche im Jahr 2030 werden in sieben Themenbereiche unterteilt. Unter „Verkündigung und geistliche Gemeinschaft“ heißt es, dass künftig „vielleicht weniger Gottesdienste“ gefeiert, diese aber „stets sorgfältig gestaltet“ und von hoher Kompetenz getragen werden. Es soll „offene Kirchentüren im direkten wie übertragenen Sinn“ geben, und die Kirchenmusik soll sich als „wesentlicher Faktor der Verkündigung etabliert“ haben. Jedes Kirchenmitglied soll über digitale Kanäle „einfachen Zugang zu Begleitangeboten von Gemeinden und Einrichtungen“ bekommen, heißt es im Bereich „Lebensphasen seelsorgerlich begleiten“. Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Bestattung sollen ergänzt werden durch weitere Angebote für „Lebensübergänge“ der Menschen. Um Notleidenden zu helfen, soll das „diakonische Handeln“ untrennbar mit dem öffentlichen Bild einer engagierten Kirche verbunden sein. Dazu sollen sich Kirche und Diakonie absprechen und gemeinsam öffentlich auftreten. Kindertagesstätten sollen ihre Verwaltungen bündeln, und Beschäftigungsverhältnisse in Kirche und Diakonie sollen durchlässiger werden. Im Bereich „Bildung“ sollen kirchliche Tagungs- und Bildungshäuser über „klare inhaltliche und untereinander vernetzte Konzepte“ verfügen. Besonderen Wert legt die Kirche im Jahr 2030 auf eine „globale Nachhaltigkeit“. Dazu gehören kosteneffiziente Verwaltungsstrukturen, ein strategisches Controlling und eine Nachhaltigkeitsstrategie für Vermögensanlagen. Dekanate und Gemeinden sollen im Jahr 2030 „deutlich größere Freiräume bei der Selbstorganisation“ haben. Dazu gehören ein „hoher Grad an Selbststeuerung“ mit konkreten Zielformulierungen, die überprüft werden, sowie Methoden zur Messung der Mitarbeiterzufriedenheit. Im Bereich „Digitalisierung“ schließlich soll jeder Mensch einen „einfachen Zugang zu den geistlichen Angeboten der Kirche“ finden und sich aktiv beteiligen können. Neben den strategischen Zielen enthält die Dokumentation auch einen Maßnahmenkatalog mit konkreten Vorschlägen, die der Projektgruppe als „realistisch umsetzbar“ erschienen. Zu den Maßnahmen, die in dem Papier aufgeführt werden, gehören konkrete Projektideen wie eine Kirchen-App, Tauffeste oder christliche Bestattungsunternehmen. Aber es gibt auch andere Maßnahmen wie den Vorschlag, finanzielle Mittel für Menschen mit Migrationshintergrund zur Verfügung zu stellen, neue evangelische Schulen zu gründen oder ein Rotationsverfahren für kirchliche Leitungsfunktionen einzuführen.

Landessynode beschließt Handlungskonzept zum Miteinander der Berufsgruppen

Die verschiedenen Berufsgruppen in der Kirche wie Pfarrer, Diakone, Erzieherinnen oder Religionspädagogen werden in Zukunft viel stärker an einem gemeinsamen Strang ziehen. Einmütig beschloss die in Lindau tagende Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern das umfangreiche Handlungskonzept „Miteinander der Berufsgruppen“. Die Landeskirche beschäftigt nach eigenen Angaben 29.000 Menschen, darunter 2.300 Pfarrerinnen und Pfarrer. Im Bereich der Diakonie, der kirchlichen Sozialarbeit, sind insgesamt 76.000 Menschen tätig, in den evangelischen Kindertagesstätten 14.000. Zu dem vom Kirchenparlament beschlossenen Maßnahmenkatalog gehören eine „transparente und faire Besoldungsstruktur“, eine Personalberatungsstelle im Landeskirchenamt, der Ausbau der Fort- und Weiterbildung der kirchlichen Mitarbeiter, eine neue Plattform zur Gewinnung kirchlichen Personals und die Neugestaltung von Dienstordnungen sowie die berufsübergreifende Ausschreibung und Besetzung von Stellen.

Landeskirche will kirchliche Jugendarbeit stärken

Mit großer Mehrheit bei drei Enthaltungen hat die Landessynode beschlossen, dass die „Weitergabe des christlichen Glaubens an die nächste Generation“ ein Schwerpunkt kirchlichen Handelns ist, der im Reformprozess „Profil und Konzentration“ entsprechend beschrieben ist und weiterhin mit angemessenen Ressourcen ausgestattet wird. Das Votum bedeute Rückenwind für die Arbeit, für den neuen Landesjugendpfarrer Tobias Fritsche, für alle, die in der Jugendarbeit tätig sind. „Wir wollen gute Impulse setzen in und mit der Jugendarbeit“, freute sich Oberkirchenrat Michael Martin über den Beschluss. Im vierten Jugendbericht hatten Fritsche und l Martin eine weit stärkere Bedeutung der Jugendarbeit angeregt. Mit Gottesdiensten, Workshops, Freizeiten und Events erreicht die Evangelische Jugend in Bayern (EJB) jedes Jahr rund 250.000 Kinder und Jugendliche. Insgesamt gibt es jährlich rund 9.000 Angebote in ganz Bayern. Diese werden von 17.500 ehrenamtlichen Mitarbeitenden organisiert. Der Jugendbericht benennt auch Herausforderungen für die Zukunft: Neben ästhetisch ansprechenden Räumlichkeiten wie in den Jugendkirchen in Nürnberg und München brauche es verstärkt digitale Angebote. Wichtig seien ferner professionelle Mitarbeiter sowie „authentische und sprachfähige Vorbilder“, heißt es in dem 21-seitigen Dokument. Wie Oberkirchenrat Martin betonte, müsse es insgesamt eine Schwerpunktaufgabe für die Kirche sein, den Glauben an die nächste Generation weiterzugeben. Deshalb müsse die Jugendarbeit, wie Landesjugendpfarrer Fritsche ergänzte, ein Arbeitsfeld für die Kirche werden, in dem mehrere Berufsgruppen gut vernetzt zusammenarbeiteten.
In einer weiteren Vorlage beschrieb die Landeskirche den Stand und die Situation ihrer Partnerschaften, die von Tansania, Brasilien und Papua-Neuguinea bis nach Ungarn und die Ukraine reichen.

Landeskirche will Kasualien stärken

Die bayerische Landeskirche will Menschen an ihren Lebensübergängen stärker begleiten. Mit insgesamt 3,25 Millionen Euro sollen die Angebote rund um Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen bayernweit ausgebaut werden. Durch die Konzeption einer Art Agentur für Lebensbegleitung will sich die Kirche auch als moderner Dienstleister präsentieren. Mit 1,8 Millionen Euro von der Summe sollen zwei Fachstellen für Lebensbegleitung eingerichtet werden: eine für Nord- und eine für Südbayern. Diese sollen Menschen zu kirchlicher Begleitung an Lebensübergängen informieren, zur Gestaltung von Kasualien – kirchlichen Amtshandlungen aus besonderen Anlässen im Leben – beraten und bei Sonderwünschen unterstützen, etwa wenn Trauungen an besonderen Orten stattfinden sollen. Laut Beschluss sollen sie durch gute Erreichbarkeit die Pfarrämter entlasten und für kirchliche Lebensbegleitung werben. Die Kirche hofft damit, die Chancen der Kasualien in einer sich wandelnden Gesellschaft zu stärken und in der wachsenden Konkurrenz zu privaten Anbietern wie etwa Trauerrednern zu bestehen. Mit den übrigen 1,45 Millionen Euro sollen die Angebote kirchlicher Lebensbegleitung in der Fläche gestärkt werden. Zu den Maßnahmen, die finanziell unterstützt werden können, gehören etwa die Organisation von Tauffesten, die Ausgestaltung der Konfirmandenzeit oder der Umgang mit veränderten Wünschen zur Bestattungskultur.

Evangelische Kirche gibt grünes Licht für Klimaschutz und Partnerschaftskonzept

Die bayerische Landeskirche will mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen den Klimaschutz voranbringen. Mit einer Gegenstimme und drei Enthaltungen wurde das integrierte Klimaschutzkonzept beschlossen – zur Freude von Oberkirchenrat Detlev Bierbaum, dem Beauftragten für Umwelt- und Klimaverantwortung, Wolfgang Schürger, und der Synodalen Karen Heußner. Auch die Partnerschaftskonzeption der Landeskirche wurde mit großer Mehrheit beschlossen.
Das neue Klimaschutzkonzept, das Oberkirchenrat Detlev Bierbaum vorgestellt hatte, zielt auf alle 1.537 bayerischen Kirchengemeinden und die kirchlichen Einrichtungen. Ziel sei es, „einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und dabei der Verantwortung gegenüber Gottes Schöpfung und künftigen Generationen gerecht zu werden“. Rund 89 Prozent der CO2-Emissionen der Kirche entstehen den Angaben zufolge durch die Wärmeversorgung der Gebäude – also etwa Kirchen, Kapellen, Gemeinde- und Pfarrhäuser oder Kindertagesstätten. Die restlichen elf Prozent entfallen auf den Mobilitätsbereich, vor allem auf das tägliche Pendeln der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Klimaschutzkonzept enthält einen Katalog von mehr als zwanzig Maßnahmen, mit dem der CO2-Ausstoß in diesen Bereichen verringert werden kann. Dazu zählen im Gebäudebereich etwa die energetische Modernisierung, der Austausch von Kirchenheizungen oder die Umstellung von in die Jahre gekommenen Beleuchtungen. Auch ein höherer Anteil an Ökostrom helfe, das Klima zu schützen. Bei der Mobilität sei Klimaschutz unter anderem durch weniger Dienstreisen möglich. Auch ein Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel bei Geschäftsreisen und beim Pendeln der Mitarbeiter spare CO2 ein. Eine Rolle könne darüber hinaus der Einsatz von Elektrofahrzeugen in Kirchengemeinden oder kirchlichen Einrichtungen spielen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen, so heißt es in dem Konzept, sollen dabei „als Quelle der Inspiration und Information für die Gemeinden dienen“.
Die neue Partnerschaftskonzeption der Landeskirche legt nach Worten von Oberkirchenrat Michael Martin theologisch, konzeptionell, operativ und im Blick auf die Ressourcen Rechenschaft über ihre Partnerschaftsarbeit ab. Die Konzeption, die in die Kapitel „Mission und interreligiöser Dialog“, „Gerechtigkeit und Entwicklung“, „Gemeinde und Kirche in Gesellschaft“ sowie „Ökumene in Vielfalt und Einheit“ gegliedert sei, mache aber auch deutlich, „wie viel umfassender die ökumenischen Beziehungen und die Partnerschaften unser Miteinander gestalten“.

Religionsunterricht: Mehr Geld für Schulreferenten

Die Schulreferenten der bayerischen evangelischen Landeskirche sollen künftig mehr Gehalt bekommen. Rückwirkend zum 1. Januar 2019 soll es eine Dekanatszulage von 172,40 Euro pro voller Stelle geben, wie die Landessynode beschlossen hat. Damit wolle die Kirche den zunehmenden Herausforderungen bei der Koordination des Religionsunterrichts Rechnung tragen, sagte Kirchenrat Jochen Bernhardt dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bernhardt zufolge sind aktuell 30 Vollzeitstellen auf insgesamt 80 Personen verteilt, die die neue Zulage entsprechend anteilig erhalten werden. In jedem bayerischen Dekanatsbezirk gibt es einen Schulreferenten, der in den Dekanaten für die Einsatzplanung des schulischen und kirchlichen Religionsunterrichts zuständig ist. Er hält Kontakt zu den Schulen und verantwortet die Einteilung der Pfarrer sowie kirchlichen Lehrkräfte für den Religionsunterricht. Zudem muss er Konflikte managen und ist auch Ansprechpartner für die Eltern. Um die Gehaltszulage zu ermöglichen, hat die Landessynode das Pfarrbesoldungsgesetz geändert. Schulreferenten mit besonderer Verantwortung erhalten künftig eine 1,5-fache Dekanatszulage, Schulreferenten für den gesamten Kirchenkreis eine doppelte Dekanatszulage.

Vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit in der Kirche ausgezeichnet

Die bayerische Landeskirche hat auf der Frühjahrstagung der Landessynode sieben Kirchengemeinden und ein Jugendwerk für ihre vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit ausgezeichnet. Diese Arbeit werde immer wichtiger, weil die Weitergabe des Glaubens in den Familien und durch den Besuch von Veranstaltungen in den Kirchengemeinden abgenommen habe, sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei der Preisverleihung. Gemeindebriefe, Internetseiten oder Social-Media-Aktivitäten der Gemeinden seien heutzutage oft der wichtigste Kommunikationskanal zu vielen Gemeindegliedern, erläuterte Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Die Inhalte und Botschaften dort sollten „gut formuliert und präsentiert“ werden, um dann auch gelesen zu werden. Die Preisträger haben diese Aufgabe nach Einschätzung der Jury gut gemeistert. In der Kategorie Gemeindebrief wurden die Kirchengemeinde der Christuskirche Selb und fünf Kirchengemeinden in und um Lindau für ihren gemeinsamen Gemeindebrief mit jeweils 875 Euro Preisgeld ausgezeichnet, in der Kategorie Internetseite gehen Preisgelder in selber Höhe jeweils an die Kirchengemeinden in Neumarkt und St. Rochus in Zirndorf. Für ihre Social-Media-Nutzung bekommt die Gemeinde Nürnberg-Lichtenhof 1.000 Euro, die St. Markusgemeinde München 500 Euro. In der Kategorie „Gesamtkonzeption Öffentlichkeitsarbeit“ (1.000 Euro) gewann die Thomasgemeinde Grünwald.
Einen Sonderpreis des Evangelischen Presseverbandes für Bayern (EPV) in Höhe von 1.000 Euro bekommt die Evangelische Jugend Kaufering. Wie EPV-Direktor Roland Gertz erläuterte, sei der Sonderpreis des zentralen evangelischen Medienhauses vergeben worden, weil den Jugendlichen in Kaufering ein großartiges Gesamtkonzept von Internet und Social Media gelungen sei, das in keine der Preiskategorien passe. Dieses Konzept treffe genau das Lebensgefühl und die Sprache von jungen Menschen. Insgesamt wurden Preise im Gesamtwert von 7.250 Euro verliehen.

Minister Müller betont Rolle der Kirchen für globalen Frieden

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat die Kirchen dazu aufgefordert, sich noch stärker für Frieden, Umweltschutz und globale Gerechtigkeit einzusetzen – sowie gegen Rüstung und Ausbeutung von Menschen in Entwicklungsländern. Das herkömmliche Wirtschaften habe die Welt an ihre Grenzen gebracht, betonte Müller in einem Vortrag vor der evangelischen Landessynode. Daher sei eine Umkehr, ein „Paradigmenwechsel“, nötig: „Dazu müssen entscheidende Impulse von den Kirchen kommen. Als Christen sind wir in der Verantwortung“, meinte Müller. In seiner Rede mit dem Titel „Global denken, lokal handeln: Globale Gerechtigkeit als Wurzel für den Frieden“ nannte Müller mehrere Handlungsfelder, in denen die Gesellschaft, aber auch die Kirchen aktiv werden müssten. So gehe es unter anderem darum, „diesen Irrsinn, die Rüstungsspirale, zu stoppen und für den Frieden zu kämpfen“. Um Frieden weltweit zu sichern, sei es laut Müller auch nötig, faire Produktionsweisen in den Entwicklungsländern zu fördern. So müssten etwa die Hersteller von Kleidung mehr Geld für ihre Produkte bekommen. Ein zusätzlicher Dollar pro Kleidungsstück reiche bereits aus, damit Arbeiter und Arbeiterinnen vor Ort „leben und überleben können“, erklärte Müller: „Dieser eine Dollar sollte uns das Wert sein.“ Der Entwicklungsminister regte auch an, dass die Arbeitgeber innerhalb der Kirchen stärker als bisher auf faire Beschaffung setzen. So seien Diakonie und Caritas zusammengenommen einer der größten Arbeitgeber Deutschlands. Sie könnten daher ein deutliches Signal setzen, „wenn sie ihren Einkauf auf faire Beschaffung umstellen“. Mit Blick auf den Klimaschutz schlug Müller vor, dass auch Kirchengemeinden der bundesweiten „Allianz für Entwicklung und Klima“ beitreten sollten. Der Allianz gehören laut Müller derzeit rund 200 Firmen und Organisationen an, die sich bemühen, ihre Produktion klimaneutral zu gestalten. Wenn viele Kirchengemeinden mitmachten, „dann könnten es bald 1.000 Unterstützer sein“, erläuterte Müller, dessen Ministerium die Initiative Ende 2018 ins Leben gerufen hat.

Synode beleuchtet Schwerpunktthema Frieden aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Ein Polizist, ein Bundeswehroffizier, ein Journalist und eine Friedensexpertin – aus verschiedene Perspektiven hat die in Lindau tagende Landessynode ihr Schwerpunktthema „Christus ist unser Friede“ beleuchtet. In einem Impulsreferat vor dem Kirchenparlament der 2,4 Millionen bayerischer Protestanten rief die Friedensexpertin Martina Basso (Berlin) die Kirchen auf, sich auf allen Ebenen für den Frieden einzusetzen. Kirche sei dazu berufen „Friedenskirche“ zu sein, sagte die Leiterin des Berliner Friedenszentrums der Mennoniten. Kirche müsse in der Gesellschaft den Frieden exemplarisch leben. Gerechter Friede bedeute dabei nicht nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt, betonte Basso. Dazu gehöre auch, Gerechtigkeit in der Gesellschaft durchzusetzen. Damit sei soziale Gerechtigkeit ebenso gemeint wie Rechtsstaatlichkeit oder die Achtung der Menschenrechte. Die große Bedeutung von kleinen Gesten in der Polizeiarbeit hob Polizeioberrat Bernd Bürger hervor. Ein Lächeln der Polizisten oder ein Gespräch könnten bei Demonstrationen zu Entspannung und Deeskalation führen. Außerdem versuchten die Polizisten bei Demonstrationen, schnelle Bewegungen oder Laufschritt zu vermeiden, weil das zu Verunsicherung bei den Demonstranten führen könne. Bei den Demonstrationsteilnehmern warb der Polizeioberrat um Vertrauen und Verständnis für die Arbeit der Beamten, um so zu einem friedlichen Verlauf beizutragen. Mit großem Beifall nahm das Kirchenparlament den Appell des Synodalen Werner Reuß auf, den Dienst der Polizistinnen und Polizisten wertzuschätzen, den „sie Tag und Nacht und rund um die Uhr tun, damit wir alle sicher leben“.
Oberstleutnant Matthias Meierhuber erklärte, dass ein militärischer Einsatz gerechtfertigt sei, wenn dadurch ein Völkermord oder die Vertreibung von Menschen verhindert werden könne. Es gebe Situationen, in denen eine Gewaltspirale gestoppt werden müsse. Militärisches Handeln dürfe jedoch immer nur die letzte Möglichkeit sein. Nach Kampfeinsätzen im Ausland sei es für die Soldaten oft schwierig in ein Land zurückzukehren, das in völligem Frieden lebe, sagte der Oberstleutnant, der selbst in Afghanistan und im Kosovo im Einsatz war.
Der Journalist Jan Fleischhauer wandte sich dagegen, medial auf Menschen einzutreten, die bereits am Boden liegen. Im Journalismus komme es immer häufiger zu einer „Rudelbildung“, beklagte der „Spiegel“-Kolumnist. Dabei sei es gerade die Aufgabe des Journalismus, Positionen Gehör zu verschaffen, die medial unterrepräsentiert seien. Auch Parteien, die als Ganzes abgelehnt würden, könnten Positionen haben, die Beachtung verdienten. Das Schwerpunktthema schloss die Synode mit einem Friedensgebet ab.

(Das Schwerpunktthema Frieden ist auch Kernthema der nächsten Printausgabe der nachrichten der ELKB. Erscheinungstermin ist der 15. Mai.)

Regionalbischof: Vielfalt der Regionen als „Schatz“ ansehen

Regionalbischof Axel Piper hat dafür plädiert, die Vielfalt und Unterschiede einzelner Regionen und Dekanate innerhalb der Kirche zu erhalten und „als einen Schatz“ anzusehen. „Es soll und darf keine Wertungen geben, welche Region, welcher Raum besser ist“, sagte Piper in seinem Bericht über den Kirchenkreis Augsburg und Schwaben in Lindau. Kirchliche Arbeit könne „je Region unterschiedlich organisiert und auch strukturiert sein – und trotzdem gut“, erläuterte Piper. Der Regionalbischof bezog sich dabei auch auf den geplanten kirchlichen Reformprozess „Profil und Konzentration“ (PuK), der unter anderem eine stärkere Zusammenarbeit von Gemeinden und eine Konzentration von Aufgaben innerhalb der evangelischen Landeskirche in Bayern vorsieht. Vielfalt und Unterschiede seien laut Piper „eine bemerkenswerte Grundlage dafür, dass Kirche ansprechende Angebote aus sich heraus schaffen kann“. Dies sei umso wichtiger, als es viele Menschen gebe, „die nicht mehr in der Kirche sind – oder es nie waren“. Auch diese Menschen seien sehr unterschiedlich. Kirche müsse auf sie zugehen und sich auf sie einlassen. Dies könne anstrengend sein, aber es lohne sich, erklärte Piper: „Menschen das Evangelium weiterzugeben, auf dass es irgendwann wieder zurückkommt, das muss Aufgabe sein.

Trauer um Hofer Pfarrer Johannes Taig

Die Frühjahrstagung der bayerischen evangelischen Landessynode in Lindau ist von einem plötzlichen Todesfall überschattet worden. Der Hofer Pfarrer und Synodale Johannes Taig (60) war am Synodenmontag auf dem Weg zur Tagungsstätte zusammengebrochen, Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Synode brach nach Bekanntwerden des Todesfalls ihre Beratungen an diesem Tag ab. In einer Andacht vor dem Kirchenparlament zitierte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm aus einer Predigt des Hofer Theologen: „Dein Leben ist keine Reise in den Tod und ins Nichts, sondern ein Heimweg.“ Am Synodenmittwoch nahm die Synode bei einer Trauerandacht in der Lindauer St. Stephanskirche Abschied von Taig, die Predigt hielt der Hofer Dekan Günter Saalfrank.

Nähere Informationen, Berichte und Bilder von der Tagung der Landessynode in Lindau finden Sie auch unter: landessynode.bayern-evangelisch.de

Die Herbsttagung der Landessynode findet vom 24. bis 28. November 2019 in Bamberg statt. Diese Tagung – die letzte der sechsjährigen Amtszeit dieser Synode – wird dem kirchlichen Finanzhaushalt gewidmet sein.


BAYERN

Bedford-Strohm: Asylhelfer nicht kriminalisieren

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm kritisiert eine Kriminalisierung von Asylhelfern. „Eine Kriminalisierung von Flüchtlingshelfern ist das letzte, was wir jetzt brauchen“, sagte Bedford-Strohm in einem Interview mit den Nürnberger Nachrichten (NN). Zu Plänen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), dass es strafbar sein soll, gezielt über Abschiebetermine zu informieren, sagte der Landesbischof, Menschen in der Flüchtlingshilfe wollten nicht generell Abschiebungen verhindern. „Nein: Sie kommen mit sehr konkreten menschlichen Schicksalen“. Bei allen rechtlichen Prozessen dürfe man „nie den Menschen aus dem Blick verlieren“, sagte Bedford-Strohm in den NN. Es sei „gut und richtig, dass die Menschen, die nah dran sind und die Einzelschicksale kennen, diese auch weitergeben und ungerechtfertigte Abschiebungen zu verhindern versuchen.“ Solche Fälle noch mal anzuschauen, halte er für eine Tugend. „Das stärkt den Rechtsstaat“. Ein Gesetzentwurf des Bundesinnenministeriums zur verbesserten Durchsetzung der Ausreisepflicht von abgelehnten Asylbewerbern sieht vor, dass künftig derjenige bestraft werden kann, der Betroffene unmittelbar vor einer bevorstehenden Rückführungsmaßnahme warnt.

Landesbischof: Von „Untergangsszenarien“ nicht entmutigen lassen

Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat an die Kirchengemeinden appelliert, sich von „Untergangsszenarien“ nicht entmutigen zu lassen. „Vielleicht kennen wir auch da, wo vieles gelingt, ein Gefühl der Erfolglosigkeit, wenn wieder die neuen Kirchenaustrittszahlen kommen“, sagte der Bischof bei einem Gottesdienst in Pegnitz (Landkreis Bayreuth). So stelle sich etwa die Frage, weshalb es trotz aller Mitgliederbindungsprogramme und trotz aller Bemühungen vor Ort um eine geistlich kraftvolle und menschenfreundliche Kirche nicht zu einem ablesbaren Ergebnis führe. Auch in solchen stürmischen Zeiten dürften Christen ihr Vertrauen auf Gott und Gottes Führung in ihrem Leben nicht verlieren, sagte Bedford-Strohm. Der Glaube an Jesus Christus blase zwar nicht alle Widrigkeiten des Lebens weg und liefere auch kein Erfolgsrezept für steigende Kirchenmitgliedschaftszahlen. Doch Glaube und Vertrauen zeigten einen Weg heraus „aus dem krampfhaften Versuch, Erfolgsrezepte zu finden, die sich am Ende doch als trügerisch erweisen“. Landesbischof Bedford-Strohm predigte im Rahmen eines zweitägigen Dekanatsbesuchs in Pegnitz. Dabei besuchte er unter anderem das Brigittenheim, das sich modellhaft zu einer Begegnungsstätte der Generationen entwickelt hat, und das Integrationshaus, das Menschen mit Migrationshintergrund und Einheimische zusammenführt. Auf dem Programm stand außerdem ein Fußballspiel, bei dem Bedford-Strohm und der Pegnitzer Dekan Gerhard Schoenauer in einer Kirchenmannschaft gegen ein Team von Geflüchteten antraten. Das Spiel endete 8:4 für das Kirchenteam.

Regionalbischöfin Greiner will Pfarrer von Verwaltungsaufgaben entlasten

Trotz des anstehenden Landesstellenplans der bayerischen Landeskirche wird es im Kirchenkreis Bayreuth laut Regionalbischöfin Dorothea Greiner keine neuen Dekanatszusammenschlüsse wie jüngst in Bayreuth und Bad Berneck geben. Das betonte sie in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) anlässlich Ihres 60. Geburtstages und 10-jährigem Dienstjubiläums. „Die Fusion der Dekanatsbezirke Bayreuth und Bad Berneck war eine Sternstunde, aber es wird keine neuen Strukturveränderungen geben“, sagte Greiner. Vielmehr gelte es, die Konzentration von unten her zu fördern und die Pfarrer beispielsweise von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Eine weitere Aufgabe für die Zukunft und gleichzeitig eine Chance von Kirche in der Gegenwart sei es, die Kirchen zu öffnen. „Unsere Kirchen sind Gestalt gewordene Botschaft und können zu den Menschen sprechen, die nicht mehr in einer Kirche sind, aber unsere Kirchenräume betreten“, sagte Greiner. Dank der besonderen Bildersprache der vielen Markgrafenkirchen könne sich die Region als Zentrum eines einzigartigen protestantischen Barocks fühlen. Eine Herzensangelegenheit bleibt für die Regionalbischöfin auch weiterhin die Arbeit mit geflüchteten Menschen, insbesondere mit den zum Christentum konvertierten Iranern. Denn das Christentum müsse ein Brückenbauer in der Gesellschaft sein. „Mein Wunsch für die an Leib und Leben gefährdeten Iraner ist es, dass sie sich hier einbringen können“, erklärte Greiner: „Denn das Christentum ist nicht deutsch und niemals national, sondern immer länderübergreifend.“ Das verbinde Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Prägungen. Vor zehn Jahren wurde Dorothea Greiner als Regionalbischöfin des Kirchenkreises Bayreuth eingeführt Insgesamt zählt der Kirchenkreis Bayreuth 337 Kirchengemeinden.

Lagois-Preis „Kulturerbe“ für Fotografien über Frauen auf der Walz

Die Fotografin Chiara Dazi hat für ihre Reportage „Wandertage“ über Frauen auf der Walz den Lagois-Fotopreis 2018/19 in Höhe von 2.500 Euro erhalten. Der Evangelische Presseverband für Bayern e.V. (EPV) vergab die Auszeichnung zum Thema „Immaterielles Kulturerbe“ in der Evangelischen Jugendkirche in München. Den Förderpreis in Höhe von 1.000 Euro erhielt Christoph Otto für seine Fotoreihe über den Schlangenkult des italienischen Bergdorfs Cocullo. Erstmals zeichnete der seit 2008 alle zwei Jahre verliehene Lagois-Preis auch Nachwuchskünstler aus. In ihrer Laudatio würdigte die Schirmherrin des Wettbewerbs, die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, die Preisträger und betonte die Bedeutung von scheinbar vergangenen Traditionen und Bräuchen, die zum immateriellen Kulturerbe zählten: „Ohne Erinnerung an die Vergangenheit kann man weder Gegenwart mit allen Sinnen leben noch Zukunft vernünftig gestalten.“ Die über 100 Wettbewerbsteilnehmer hätten sich darauf eingelassen, „die fotografische Auseinandersetzung mit dem zu suchen, was unser Leben abseits von vordergründiger Effizienz und Ökonomie prägt“, so die Schirmherrin. Der Lagois-Wettbewerb ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert und wird seit 2008 alle zwei Jahre vom Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV) vergeben. Noch bis Ende April sind 37 Arbeiten der Teilnehmenden am Lagois-Preis in der Ausstellung „KULTUR.ERBEN“ in der Evangelischen Jugendkirche München zu sehen.

Regionalbischof: Gewalt gegen Juden „unfassbar“

Augsburgs Regionalbischof Axel Piper hat Gewalt und Ausgrenzung gegenüber Flüchtlingen, Andersdenkenden und Menschen jüdischen Glaubens scharf kritisiert. Viele Menschen oder Gruppen würden heute zu Sündenböcken, „obwohl sie rein gar nichts dafürkönnen“, sagte Piper bei der Gemeinschaftsfeier zur Woche der Brüderlichkeit in der Augsburger Kirche St. Anna. Der Regionalbischof im Kirchenkreis Augsburg und Schwaben forderte Juden und Christen dazu auf, „Menschen zu erinnern, Menschen zu sensibilisieren und Menschen zu stärken, die sich für ein friedliches, respektvolles und wertschätzendes Miteinander einsetzen“. Ausgrenzung und Gewalt auch Menschen jüdischen Glaubens gegenüber passierten „nicht im Fernsehen, sondern real – unter uns“. Die bundesweite Woche der Brüderlichkeit steht im Zeichen christlich-jüdischer Verständigung und Zusammenarbeit. Sie findet seit 1952 statt. Das Motto in diesem Jahr lautet „Mensch wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindlichkeit.“

Nach AfD-Antrag: Jugendring bekommt Rückendeckung von Kirchen und Gewerkschaften

Als „unverzichtbar für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und zwischen den Generationen“ hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm den Bayerischen Jugendring (BJR) bezeichnet. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) reagierte damit auf einen Antrag der AfD-Fraktion im Landtag, die Zuschüsse an den BJR ersatzlos zu streichen, solange ein der Partei unliebsamer Jugendverband nicht ausgeschlossen wird. Auch der DGB Bayern kritisierte den Vorstoß scharf. „Das zeigt das Gesicht der AfD, die Pluralismus verabscheut und bekämpft“, erklärte DGB Bayern-Vorsitzender Matthias Jena. Es sei ein einmaliger Vorgang, dass eine Fraktion entscheiden wolle, welcher Jugendverband Mitglied im BJR ist. Der Verband entstand nach den furchtbaren Erfahrungen der gleichgeschalteten Jugendverbände im Faschismus von 1933 bis 1945. Jena: „Jugendverbände sollen plural und selbstorganisiert arbeiten. Nun beginnt die AfD, an diesem Prinzip zu rütteln. Dieser versuchten Gleichschaltung werden wir mit allen Mitteln entgegentreten.“ An vielen Stellen setze sich der BJR mit Leidenschaft für die demokratische Kultur ein, betonte auch Bedford-Strohm. Auch die Evangelische Jugend in Bayern gehörte 1947 zu den Gründungsmitgliedern des BJR. Grundlage ist laut Präambel die Anerkennung des eigenen Wertes der einzelnen Jugendgemeinschaften ohne Rücksicht auf politische, religiöse, klassenmäßige oder rassische Unterschiede. „Auch aus diesem Grund halten wir eine weitere Förderung für unverzichtbar. Die Pluralität verbandlicher Jugendarbeit muss erhalten bleiben“, sagte Oberkirchenrat Michael Martin, in der evangelischen Kirchenleitung zuständig für die Jugendarbeit.

Landeskirche schreibt Preise für ehrenamtliche Projekte aus

Die evangelische Landeskirche in Bayern schreibt ihren Ehrenamtspreis in diesem Jahr zum Thema „Kirche im Raum“ aus. Sie will „inspirierende und kreative Projekte“ aus dem Bereich der bayerischen Landeskirche würdigen, teilte die Landeskirche mit. Mit dem Wettbewerbsthema lehne man sich an den aktuellen landeskirchlichen Zukunftsprozess „Profil und Konzentration“ an. Bis zum 5. Juni 2019 können Projekte über die Webseite www.ehrenamt-evangelisch-engagiert.de/ehrenamtspreis/2019/ vorgeschlagen werden. Die Preisverleihung findet am 7. Dezember 2019 im Rathaus in Cham statt. Der Termin sei bewusst in zeitlicher Nähe zum Internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember gewählt. Man wolle zeigen, dass kirchliches Ehrenamt in ein Netzwerk bürgerschaftlichen Engagements eingebunden sei, hieß es. Siegerprojekte erhalten je 1.000 Euro und einen professionellen Videoclip über das Projekt.

Münchner Dekanatskirche feiert 100 Jahre Gemeindediakonat

Mit einem Festakt hat die evangelische Dekanatskirche St. Markus an die Anfänge des Gemeindediakonats in der bayerischen Landeskirche vor 100 Jahren erinnert. Das Jubiläum, an dem neben der Münchner Stadtdekanin Barbara Kittelberger auch die Oberkirchenräte Stefan Reimers und Hans-Peter Hübner sowie der Rektor der Rummelsberger Diakonie, Günter Breitenbach, teilnahmen, erinnerte an den 17. März 1919, an dem mit dem 28-jährigen Heinrich Schlötterer erstmals ein Diakon im Rahmen eines Gottesdienstes in den Dienst einer evangelischen Gemeinde aufgenommen wurde. Zu seinen Aufgaben zählten Armenfürsorge, Religionsunterricht und Kindergottesdienste. Ab 1929 war Schlötterer als erster Verwaltungsdiakon im neu gegründeten Kirchengemeindeamt angestellt, das er von 1942 bis 1958 als Direktor leitete. Heutzutage übernehmen Diakoninnen und Diakone in der evangelischen Kirche Aufgaben in den Bereichen Jugend, Senioren, Konfirmanden, Gottesdienst oder Verwaltung. Derzeit seien in der bayerischen Landeskirche und der Diakonie Bayern rund 300 Diakoninnen und 500 Diakone tätig, heißt es auf der Internetseite der Rummelsberger Diakonie.

Neuer Stadtdekan: Kirche muss sich auf alte Tugenden besinnen

Augsburgs neuer Stadtdekan Michael Thoma will verstärkt mit spirituellen Angeboten auf Menschen zugehen. Dies könne auch „jenseits der normalen Gottesdienste“ geschehen, sagte Thoma bei seiner Vorstellung in Augsburg. Kirche müsse sich in diesem Bereich „auf alte Tugenden zurückbesinnen“. Die Kirchen hätten seit Jahrtausenden spirituelle Angebote und Räume, in denen Menschen Kraft schöpfen könnten. In einer Zeit, in der viele sich nach Ruhe und Besinnung sehnten, gehe es darum, diese Räume „zu öffnen für die Begegnung mit Gott“. Thoma tritt sein neues Amt am 1. April an. Er folgt Susanne Kasch nach, die nach fast 17 Jahren als Stadtdekanin in den Ruhestand geht.

Würzburger St. Johanniskirche ist nun offizielles Friedensmahnmal

Seit dem 16. März steht die evangelische Würzburger St. Johanniskirche ganz offiziell als Mahnmal für den Frieden. Die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski enthüllte eine Schrifttafel neben dem Eingang des Gotteshauses, das im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde. Die Besucher werden künftig informiert: „Aus den Trümmern der St. Johanniskirche bauten Menschen unserer Gemeinde das Gotteshaus wieder auf. Durch den alten Turm führt der Weg in die neu aufgebaute Kirche hinein.“ Der Kirchenvorstand und die Pfarrer der Gemeinde hatten Anfang dieses Jahres beschlossen, die eigene Kirche in den Rang eines Mahnmals zu erheben. Als Tag der Enthüllung hatten sie den Jahrestag der Bombenzerstörung Würzburgs im Jahr 1945 gewählt – den 16. März. Die -Erhebung zum Mahnmal wurde mit einem öffentlichen Festakt begangen, an dem neben der Regionalbischöfin auch der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) sowie Ehrengäste aus Polen und Frankreich teilnahmen. Regionalbischöfin Bornowski warnte in ihrer Festansprache davor, sich an die „eigenwillige Architektur der Johanniskirche“ zu gewöhnen. „Die Türme wollen verstören und rufen: ,Suche Frieden und jage ihm nach‘“, zitierte sie die ökumenische Jahreslosung 2019. Mit diesem Vers aus Psalm 34 übe die Kirche „ihr Wächteramt in unserer Gesellschaft“ aus: „Die Jahreslosung stellt die heilsame Kontrollfrage: Was dient dem Frieden und was gefährdet ihn?“ Mit dieser Frage gewinne man leichter einen Standpunkt zu Fragen des Konsums, des Waffenexports und der „recht-erhaltenden Gewalt“, sagte Bornowski. Schließlich gehe es bei Frieden nicht nur um die Abwesenheit von Krieg, sondern um „gerechten Frieden“. Und auf Dialog komme es an, auch wenn es dafür gelegentlich Mediatoren brauche: „Aber wo nicht miteinander geredet wird, da steht der Friede am Abgrund.“

Umweltpfarrer gibt Tipps für insektenfreundliche Gartengestaltung

Pünktlich zur Pflanzsaison gibt der evangelische Umweltbeauftragte Wolfgang Schürger Tipps zur Förderung der Artenvielfalt im heimischen Garten, auf dem Balkon und dem Friedhof. Eine der wichtigsten Grundregeln sei das „insektenfreundliche Pflanzen“. „Blüten müssen Pollen und Nektar haben – das ist heute nicht mehr selbstverständlich“, sagte Schürger. Mitarbeiter in Fachmärkten könnten inzwischen gut über geeignete Gewächse Auskunft geben. Besonderes Augenmerk gelte der Verwendung von torffreier Erde. Weil Torfmoore wichtige CO2-Speicher sind, führte ein Trockenlegen zu hohen Emissionen, die den Klimawandel weiter beschleunigen. „Wenn wir uns als Geschöpf unter Mitgeschöpfen verstehen, kann es uns nicht gleichgültig sein, dass immer mehr Lebensraum verloren geht“, betonte der Beauftragte der bayerischen evangelischen Landeskirche für Umwelt- und Klimaverantwortung. Schürger berät Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen in Sachen Umweltarbeit. Weil nicht nur Gärten, Grünanlagen und Balkone wichtige Refugien für Flora und Fauna sein können, sondern auch Friedhöfe, hat sein Referat 2017 eine Broschüre herausgegeben. Die Arbeitshilfe mit dem Titel „Lebensraum Friedhof – ökologische Vielfalt gestalten“ listet geeignete, insektenfreundliche Pflanzen für die Grabpflege auf. „Als Rückzugsgebiet können Friedhöfe es einigen Arten ermöglichen, im Stadtgebiet ihrer vollkommenen Ausrottung zu entgehen“, heißt es in der Broschüre, die online abgerufen und bestellt werden kann.

Neues „Notfallhandbuch Schule" der Kirchen erschienen

Mit einem neuen „Notfallhandbuch Schule“ geben kirchliche Experten Hilfestellung bei Notfällen in der Schule. Das Handbuch, das es seit 2006 gibt, ist komplett überarbeitet worden, wie die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und das Erzbischöfliche Ordinariat München gemeinsam mitteilten. Es sei neu gestaltet und inhaltlich ergänzt worden, hieß es über das Handbuch, das im Auftrag der evangelischen Landeskirche und des Katholischen Schulkommissariats der bayerischen Diözesen erscheint. Der Suizid eines Schülers oder ein schwerer Unfall beim Schulfest: Notfälle in der Schule seien eine große Belastung für die gesamte Schulfamilie, hieß es in der Mitteilung. Um sich auf den Umgang mit derlei Krisen vorzubereiten, dazu leiste das „Notfallhandbuch Schule“ praktische Hilfestellung. Es sei nun konzeptionell und inhaltlich von einem ökumenischen Redaktionsteam völlig neu überarbeitet worden. Experten steuerten neue Texte zum Hintergrundwissen bei. Laut Mitteilung hätten die verstärkte Beschäftigung mit dem Thema „Krisenbewältigung an Schulen“ und die damit erweiterte fachliche Expertise in den vergangenen zwölf Jahren eine Neubearbeitung notwendig gemacht. Mit dem Handbuch nehmen die beiden Kirchen laut Mitteilung ihre seelsorgerliche Aufgabe auch im Raum der Schule wahr, indem sie damit dem Kriseninterventions- und Bewältigungsteam der staatlichen Schulpsychologen Hilfestellung geben. Das „Notfallhandbuch Schule“ ist zum Preis von 17,80 Euro beim Religionspädagogischen Zentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zu bestellen sowie unter www.notfallhandbuch-schule.de

Evangelische Jugend: Schulstreik nicht „von oben herab“ loben

Die Evangelische Jugend in Bayern (EJB) stellt sich hinter die Klimastreiks „Fridays for Future“. In einer Videobotschaft sagen die EJB-Vorsitzende Paula Tiggemann und die Vorsitzende des Landesjugendkonvents der Ehrenamtlichen, Marle Altenmüller: „Wenn junge Menschen für eine lebenswerte Zukunft auf unserem Planeten einstehen, sehen wir uns in der Pflicht, sie zu unterstützen.“ Die beiden 25-Jährigen forderten die Politiker zudem auf, „nicht nur von oben herab“ und ohne eine echte Veränderungsbereitschaft das Engagement der streikenden Schüler zu loben, „wie ein Kind, das ein schönes Bild gemalt hat“. Die Politik sollte vielmehr wirklich zuhören, was die Jugendlichen wollten. Tiggemann und Altenmüller zeigten sich in ihrer Videobotschaft davon überzeugt, dass die demonstrierenden Kinder und Jugendlichen sehr genau wüssten, was sie täten: „Sie sind informiert, wissen, wofür sie einstehen, und tun dies mit vollster Überzeugung.“ Selbst bei Wind und Wetter gingen sie auf die Straße – dies zeige, dass es nicht „um lustiges Schulschwänzen“ gehe, sondern dass es die Jugendlichen sehr ernst meinten. „Junge Menschen haben eine Stimme und wollen gehört werden“, dies sei eine Forderung, die die Evangelische Jugend schon beim Thesenanschlag zum Reformationsjubiläum gefordert habe und die nach wie vor aktuell sei, heißt es in der Botschaft weiter.

Diakonie Neuendettelsau und Schwäbisch Hall fusionieren

Die Fusion der Diakoniewerke Neuendettelsau und Schwäbisch Hall ist entschieden. Die zusammengeschlossenen Werke werden ab 1. Juli 2019 eines der größten diakonischen Unternehmen Deutschlands mit rund 10.000 Mitarbeitenden bilden. Sowohl das Kuratorium des bayerischen Diakoniewerks Neuendettelsau als auch die Mitgliederversammlung des württembergischen Diakoniewerks Schwäbisch Hall haben der Fusion zugestimmt, teilte die Diakonie Neuendettelsau mit. Zur Bildung des gemeinsamen Unternehmens müssten noch Zustimmungen von Behörden und Ämtern eingeholt werden. Zudem seien noch zahlreiche Details zu klären, heißt es in der Pressemitteilung. Der für Diakoniefragen zuständige Oberkirchenrat im evangelischen Landeskirchenrat in Bayern, Detlev Bierbaum, hält die Fusion für den richtigen Schritt: „Auf dem Sozialmarkt wird teilweise mit harten Bandagen gekämpft. Wir brauchen große spezialisierte Träger im Krankenhauswesen oder in der Arbeit mit behinderten Menschen und gleichzeitig die gemeindenahe Diakonie“. Er traue es „Diakoneo“ zu, zukunftsorientiert zu arbeiten und dabei auf die gleichen Werte und Wurzeln zu vertrauen. Die Ansbacher Regionalbischöfin Gisela Bornowski sagt, „die Mitarbeitenden bleiben die gleichen, die vertreten das Unternehmen vor Ort und zeigen, was es bedeutet, Werte zu leben“. Auch in ihren Augen ist die Fusion „sehr zukunftsweisend“. Die Diakonie Schwäbisch Hall habe bis hinein in den Ansbacher Kirchenkreis einen sehr guten Ruf. Das evangelisch-lutherische Diakoniewerk Neuendettelsau beschäftigt derzeit rund 7.800 Menschen, das evangelische Diakoniewerk Schwäbisch Hall etwa 2.300. Zur mittelfränkischen Diakonie Neuendettelsau gehören Seniorenheime, Behinderteneinrichtungen, mehrere Schulen, Kliniken sowie die Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth. Das Diakoniewerk Schwäbisch Hall betreibt neben dem Krankenhaus in Schwäbisch Hall eine Ausbildungsstätte für Pflegeberufe. Darüber hinaus hat es die Arbeitsbereiche Altenhilfe und ambulante Pflege.

Evangelische Hochschule besiegelt Partnerschaftsvertrag mit Danzig

Die Evangelische Hochschule Nürnberg (EVHN) und die Universität Danzig wollen künftig zusammenarbeiten. Sie vereinbarten den Austausch von Lehrenden beider Hochschulen, zum Beispiel im Rahmen von Gastvorträgen, Vorlesungen und Seminaren sowie Studienfahrten mit Studierenden, teilte die EVHN mit. Motor der Hochschulbeziehung sei der Bezirk Mittelfranken gewesen, der Partner der polnischen Woiwodschaft Pommern (Pomorskie) und damit auch der Stadt Danzig (Gdańsk) ist. Man wolle die Attraktivität von Studium, Lehre, Forschungstätigkeit und Promotion „im internationalen Kontext stärken“, sagte Professorin Helene Ignatzi, Vizepräsidentin der EVHN, bei der Vertragsunterzeichnung. Bereits im Mai werden Studierende des Schwerpunkts „Armut in der Sozialen Arbeit“ im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit die Abteilung Sozialpädagogik der „Uniwersytet Gdańsk“ besuchen, hieß es.

Kirchen und Sozialwerke rufen zu Spenden für Mosambik auf

Die Diakonie Bayern und das landeskirchliche Partnerschaftszentrum Mission EineWelt rufen nach den schweren Regenfällen und Stürmen in Mosambik zu Spenden für die Menschen im Land auf. Rund 600.000 Menschen seien von den Auswirkungen des Zyklons Idai betroffen, der in der Nacht zum 15. März das Land heimgesucht hat, wie Diakonie und Mission EineWelt mitteilten. Auch das katholische Erzbistum Bamberg rief zu Spenden für die Betroffenen auf. Etwa 400.000 Menschen hätten ihr Zuhause verloren, die Regierung rechne mit mehr als 1.000 Toten, heißt es im Aufruf von Diakonie und Mission EineWelt weiter. Die Diakonie Katastrophenhilfe werde sich mit 100.000 Euro an der Soforthilfe beteiligen sowie Nahrungsmittel für 50.000 Menschen sowie Decken und Zelte für 25.000 Menschen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus seien die betroffenen Menschen in Mosambik auf Hilfe durch Spendengelder angewiesen.

Herzogsägmühle startet Programm zum 125. Gründungsjubiläum

Mit einem Innovationsteam zum 125-Jubiläum will die Diakonie Herzogsägmühle künftig auf technische und soziale Neuerungen reagieren. „Ein Unternehmen, das die Innovationskraft seiner Mitarbeitenden nicht bündelt, macht etwas falsch“, sagte Direktor Wilfried Knorr bei einer Pressekonferenz. Die rund 80 vorwiegend jüngeren Mitarbeitenden des Teams sollen in einem auf 18 Monate angelegten Projekt innovative Ideen für den Gesundheitsbereich identifizieren. Ein vergleichbares Projekt gebe es im Bereich der Diakonie bislang noch nicht, sagte Knorr. Zum 125. Geburtstag des ehemaligen Diakoniedorfs stellte Knorr ein umfangreiches Festprogramm vor. Höhepunkt soll ein politisches Streitgespräch über die Themen Migration, Pflege und Wohnen im Juli sein, für das neben dem bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm auch Sarah Wagenknecht (Die Linke), Günter Beckstein (CSU), Claudia Stamm (mut) und der Penzberger Imam Benjamin Idriz angefragt sind. Moderiert wird die Veranstaltung vom ehemaligen Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), Heribert Prantl.

Bündnis von Frauen fordert Aufwertung weiblicher Erwerbsarbeit

Ein Kooperationsbündnis aus Vertreterinnen kirchlicher, gesellschaftlicher und gewerkschaftlicher Einrichtungen hat zum Equal Pay Day dazu aufgerufen, für die Aufwertung weiblicher Erwerbsarbeit einzutreten. „Frauen arbeiten überdurchschnittlich häufig in Berufsfeldern der Sozialen Arbeit, Erziehung, Gesundheit und im Haushalt. Das Lohnniveau ist in diesen Berufsfeldern deutlich niedriger als in den technisch-mathematischen Berufen“, erklärte die geschäftsführende Vorständin Michaela Wachsmuth vom FrauenWerk Stein. Die Gesellschaft müsse sich fragen, was ihr die Tätigkeiten von Erzieherinnen oder Pflegerinnen wert seien. Im Schnitt würden Frauen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 21 Prozent weniger als Männer verdienen. Der Equal Pay Day stehe symbolisch für diese Lohnlücke. Mit einer Kampagne unter dem Motto „WERTsache Arbeit“ und einem Aktions- und Infostand zum Equal Pay Day möchte das Bündnis Wert und Wertschätzung unterschiedlicher Berufe in den Fokus rücken. Dass es eine grundsätzliche Neubewertung der sogenannten Frauenberufe brauche, betonte auch Andrea König, Referentin des „forum frauen“ im evangelischen Amt für Gemeindedienst. Die menschliche Arbeit habe aus biblisch-theologischer Sicht einen hohen Stellenwert. „Existenzsicherung und Wertschätzung menschlicher Arbeit gehören zu den fundamentalen Bedingungen einer gerechten Gesellschaft“, so König. In den vergangenen Jahren habe sich die Lohnlücke nur minimal verringert. Damit bleibe Deutschland im internationalen Vergleich im Schlusslichtbereich, stellte das Aktionsbündnis fest. Ihm gehören das FrauenWerk Stein, das „forum frauen“ im Amt für Gemeindedienst, die Evangelische Jugend in Bayern, das Referat für Chancengerechtigkeit der Kirche, erfolgsfaktor FRAU (efF), die Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg sowie der Frauenausschuss des DGB Mittelfranken an.

Demonstrationen für „Ein Europa für Alle“ am 19. Mai

In München und sechs weiteren deutschen Städten sollen eine Woche vor der Europawahl im Mai Menschen gegen Nationalismus auf die Straße gehen. Zu den Demonstrationen unter dem Titel „Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus!“ hat für den 19. Mai ein zivilgesellschaftliches Bündnis aus mehr als 60 Organisationen und Initiativen aufgerufen. Ziel ist nach Angaben der Organisatoren ein Bekenntnis zu einer EU der Menschenrechte, der Demokratie, der sozialen Gerechtigkeit und des ökologischen Wandels. Die Europawahl am 26. Mai sei eine Richtungsentscheidung über die Zukunft der Europäischen Union, heißt es im Aufruf zu den Demonstrationen. Denn Nationalisten und Rechtsextreme hofften darauf, mit weit mehr Abgeordneten als bisher ins Europaparlament einzuziehen. Alle seien gefragt, diesen Vormarsch zu verhindern. Die Demonstrationen in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart würben deshalb für eine hohe Wahlbeteiligung. Zeitgleich sollen in mehreren europäischen Ländern Demonstrationen mit denselben Zielen stattfinden. Zum Trägerkreis von „Ein Europa für Alle“ in Deutschland gehören neben anderen Organisationen Attac, der Paritätische Wohlfahrtsverband, Pro Asyl und die Naturfreunde Deutschlands. Unterstützt werden die Demonstrationen unter anderen auch von der Diakonie, Greenpeace, dem Deutschen Kulturrat und der katholischen Friedensbewegung Pax Christi.

Kabinett verlängert Modellversuch „Islamischer Unterricht“

Der Modellversuch „Islamischer Unterricht“ in Bayern wird um zwei Jahre verlängert. Das Kabinett hat beschlossen, den Modellversuch innerhalb von zwei Jahren in ein Wahlpflichtfach umzuwandeln. Politiker von Regierung und Opposition und die Integrationsbeiräte haben diesen Beschluss begrüßt. Lediglich die AfD forderte, den Islamunterricht abzuschaffen. Integrationsfördernd und von großer gesamtgesellschaftlicher Bedeutung nannten die Integrationsbeiräte in Bayern das Schulfach. Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Ludwig Spaenle (CSU), sprach von einem „Beitrag zur Bekämpfung des islamistischen Antisemitismus. Der Islamische Unterricht in staatlicher Verantwortung ermögliche die Auseinandersetzung junger Muslime mit ihrer Religion, „und zwar auf dem Boden der Bayerischen Verfassung und des Grundgesetzes“, sagte Spaenle. Auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte, er sei vom Islamischen Unterricht überzeugt. „Es geht darum, jungen Menschen eine reflektierte Auseinandersetzung mit ihrem Glauben zu ermöglichen und diese nicht den Koranschulen der Moscheen zu überlassen“, sagte er laut einer Mitteilung seines Ministeriums. Bei dem Projekt handele es sich um ein staatliches Angebot, das muslimischen Schülern in deutscher Sprache Wissen über die islamische Religion sowie eine Werteorientierung entsprechend des Grundgesetzes und der Verfassung vermitteln wolle, hieß es. Aktuell nehmen 16.500 Schüler an 349 Schulen daran teil. Das Projekt existiert seit dem Schuljahr 2009/2010 und läuft laut Mitteilung bis zum Ende des aktuellen Schuljahres 2018/2019. Für die Überleitung des Modellversuchs in ein Wahlpflichtfach ist ein Gesetzgebungsverfahren erforderlich. Die notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen und die Klärung noch offener verfassungsrechtlicher Fragen würden „einige Zeit“ in Anspruch nehmen, hieß es aus dem Kabinett.
Der Islam-Unterricht wird, wie der Ethikunterricht, in staatlicher Verantwortung mit staatlichen Lehrkräften durchgeführt. Er kombiniert weltanschaulich-religiös neutrale Islamkunde mit Werteerziehung. Den Schülern werden auch Informationen über andere Religionen an die Hand gegeben. Der Islamische Unterricht leiste damit einen Beitrag zur Integration der muslimischen Schüler und ebenso zur Prävention vor Radikalisierungstendenzen, teilte das Kabinett mit.

Gericht bestätigt Kopftuchverbot für Richterinnen

Bayerische Richterinnen dürfen bei der Arbeit weiterhin kein Kopftuch tragen. Mit dieser Entscheidung wies der Bayerische Verfassungsgerichtshof in München die Popularklage einer islamischen Religionsgemeinschaft zurück, die im Verbot vom Tragen religiöser Kleidungs- und Schmuckstücke einen Verstoß gegen die Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie gegen den Gleichheitssatz sah. Repräsentanten des Staates seien insbesondere im Bereich der Justiz zu weltanschaulich-religiöser Neutralität verpflichtet, heißt es in der Urteilsbegründung. Entsprechend gelte das Verbot auch für Staatsanwältinnen und Landesanwältinnen. Die Kläger hatten kritisiert, das Verbot sei mit dem Ziel geschaffen worden, Richterinnen mit Kopftuch von Verhandlungen auszuschließen. Das passe nicht damit zusammen, dass das Kreuz weiterhin in Verhandlungsräumen erlaubt sei und schließe gezielt eine bestimmte Religionsgruppe aus. Beim Abwägen zwischen Glaubens- und Gewissenfreiheit des betroffenen Amtsträgers und dem Recht der Prozessbeteiligten auf weltanschaulich-religiöse Neutralität dürfe der Gesetzgeber besonders berücksichtigen, dass die Person des Amtsträgers in diesem Fall hinter ihrem Amt zurücktrete, begründete das Gericht seine Entscheidung. Deshalb sei das Gesetz mit der Bayerischen Verfassung vereinbar. Dass in Gerichten dennoch weiterhin Kreuze an der Wand hängen dürften, sei etwas Anderes und daher nicht geeignet, einen Verstoß gegen den Gleichheitssatz herzuleiten, erklärte der Verfassungsgerichtshof. Das ergebe sich bereits daraus, dass die Ausstattung des Verhandlungsraums Angelegenheit der Gerichtsverwaltung sei und so keinen Zweifel an der Neutralität einzelner Richter oder Anwälte hervorrufen könne. Auch von der Diskriminierung von Frauen könne nicht die Rede sein: Schließlich betreffe das Verbot nicht nur von Frauen getragene religiöse Symbole wie das Kopftuch, sondern auch Kreuze oder vorwiegend von Männern getragene Kleidungsstücke wie die Kippa.


DEUTSCHLAND UND DIE WELT

Kirchliche Umweltexperten wollen ein Tempolimit

Die Umweltexperten der evangelischen Landeskirchen haben sich für die Einführung eines Tempolimits von 130 Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. Eine Maximalgeschwindigkeit sei ein erster, einfach realisierbarer Schritt hin zu einer nachhaltigen Mobilitätswende, teilte die Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) während ihrer Frühjahrstagung in Potsdam mit. Eine angemessene Geschwindigkeit verhindere Unfälle, mindere deren Folgen, senke den Lärmpegel und reduziere den Ausstoß von Kohlendioxid als Beitrag zum Klimaschutz, hieß es. Man unterstütze daher auch die seit dem 6. März laufende Online-Petition der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) für ein Tempolimit. Die Arbeitsgemeinschaft bitte die Kirchen, kirchlichen Einrichtungen und Gemeinden, die Petition zu verbreiten, sagte ihr Geschäftsführer Reinhard Benhöfer. Ziel der Petition ist es, bis zum 3. April 2019 dafür mindestens 50.000 Unterschriften zu sammeln. Damit würde eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages erreicht.

EKD veröffentlicht Broschüre zur Europawahl

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat eine Handreichung zur Europawahl Ende Mai veröffentlicht, die nun auch gedruckt erhältlich ist. Die vom Brüsseler EKD-Büro verfasste Broschüre erklärt, wie das Europaparlament in Straßburg und Brüssel funktioniert, teilte die EKD in Hannover mit. Sie stellt zudem die Spitzenkandidaten der deutschen Parteien vor und nennt wichtige Punkte aus deren Wahlprogrammen. Die EKD will mit der Handreichung auch zeigen, wie relevant die EU-Politik für Christen ist. „Die Zukunft der EU geht uns als Kirchenmitglieder etwas an. Viele der großen Herausforderungen vom Klimawandel, der Digitalisierung, über Asyl und Migration und den sozialen Zusammenhalt bis hin zur Friedenssicherung können nur gemeinsam bewältigt werden“, schreibt die Leiterin des Brüsseler Büros, Katrin Hatzinger. In der Broschüre werden unter anderem Beispiele für die Arbeit der EU in den Bereichen Migrations-, Klima- und Bildungspolitik in der zu Ende gehenden Legislaturperiode vorgestellt. Die Europawahlen finden europaweit vom 23. bis 26. Mai statt, in Deutschland am 26. Mai. Nach derzeitigem Stand wird die Zahl der Abgeordneten wegen des Brexits von 751 auf 705 verringert, 96 von ihnen kommen aus Deutschland. Die Broschüre kann unter www.ekd.de/handreichung-europawahlen-2019-44078.htm heruntergeladen oder bei der EKD kostenlos als Druckexemplar bestellt werden.

Lutheraner-Bischöfe rufen Europa zur Einheit auf

Deutsche Bischöfe haben die Europäer zu mehr Zusammenhalt aufgerufen. Auch die Kirchen müssten daran mitarbeiten, Europa als Friedensprojekt mitzugestalten“, erklärte der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Ralf Meister, in Straßburg nach einer Klausurtagung der VELKD-Bischofskonferenz. Frank-Otfried July, Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes, forderte die Kirchen zum Einsatz gegen neuen Nationalismus und Rassismus sowie gegen Sprachunfähigkeit in Europa auf. „Die Kirchen in Europa müssen mit ihren Netzwerken zeigen, dass Europa eine Gemeinschaft ist“, fügte der württembergische Landesbischof July hinzu. „Straßburg, die europäischste Stadt Europas, ist ein Symbol dafür, dass Frieden und Versöhnung möglich sind“, sagte der hannoversche Landesbischof Meister auf einem Empfang der Union Protestantischer Kirchen von Elsass und Lothringen (UEPAL). Meister würdigte die Gründung der UEPAL vor 13 Jahren als wichtige Stärkung der protestantischen Stimme in Europa. Die Kirchen in Europa hätten den Auftrag, für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde einzutreten, „damit es keinen Konflikt, keinen Krieg, keine Gewalt zwischen den Völkern in Europa mehr gibt“, hieß es weiter. Die Klausurtagung wurde gemeinsam mit dem Institut für Ökumenische Forschung in Straßburg veranstaltet. An der Tagung nahmen die Mitglieder der VELKD und internationale ökumenische Gäste teil. An einer Diskussion beteiligten sich die Europaabgeordneten Arne Lietz (SPD) und Rainer Wieland (CDU).

Diakonie zieht wegen kirchlicher Einstellungspraxis nach Karlsruhe

Im Streit um das Verlangen einer Kirchenmitgliedschaft bei Stellenbewerbern ruft die Diakonie das Bundesverfassungsgericht an. Wie der Bundesverband in Berlin mitteilte, hat das evangelische Werk Verfassungsklage gegen ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts und ein vorhergehendes des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) eingelegt. Beide Gerichte hatten im vergangenen Jahr entschieden, dass Kirchen und ihre Einrichtungen nicht in jedem Fall von Stellenbewerbern die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche verlangen dürfen. Dadurch sehe man sich in unzulässiger Weise im verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmungsrecht beschränkt, erklärte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie.
„Wir brauchen Klarheit darüber, dass unser Recht auf Selbstbestimmung nicht durch EU-Recht ausgehöhlt wird“, sagte Lilie. Er verwies auf den Vertrag zur Arbeitsweise der EU, der Religionsgemeinschaften in den einzelnen Mitgliedstaaten vor Beeinträchtigung schütze. Der EuGH habe die deutsche Rechtslage nicht angemessen beachtet und außerhalb seines Mandats gehandelt, sagte Lilie. Die Klage in Karlsruhe richtet sich deswegen nicht nur gegen das Urteil des Bundesarbeitsgerichts, sondern auch gegen das der Luxemburger Richter. Die hatten entschieden, dass eine Religionsgemeinschaft ihr sogenanntes Ethos, also ihre Wertegrundlage, selbst festlegen darf. Mit Verweis auf die Antidiskriminierungsrichtlinie der EU hatten sie aber auch entschieden, dass das Verlangen einer Kirchenzugehörigkeit von Stellenbewerbern „wesentlich, rechtmäßig und gerechtfertigt“ sowie gerichtlich überprüfbar sein müsse. Darin sieht die Diakonie ein Problem: „Mit unserer Verfassungsklage wenden wir uns dagegen, dass theologische Kernfragen von Juristen entschieden werden“, sagte Lilie. „Wir sind aus gutem Grund evangelisch. Deshalb müssen wir auch die Möglichkeit haben, unser evangelisches Profil deutlich zu machen“, sagte der Theologe dem epd. Das gelte auch für die Möglichkeit, „dass wir zunächst grundsätzlich von unseren Mitarbeitenden erwarten, dass sie evangelisch sind“, sagte der Diakonie-Präsident. Es gebe bereits Ausnahmen und Öffnungsregelungen im kirchlichen Arbeitsrecht. „Aber wir möchten selbst entscheiden können, wann von diesem Grundsatz abgewichen werden kann“, sagte Lilie. Im konkreten Fall, über den die Gerichte zu entscheiden hatten, ging es um die Berlinerin Vera Egenberger, die sich beim Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung erfolglos für eine Referentenstelle beworben hatte. Die konfessionslose Bewerberin klagte auf Entschädigung, weil sie eine Diskriminierung aus religiösen Gründen annahm. Das Bundesarbeitsgericht sprach ihr im vergangenen Oktober eine Entschädigung von knapp 4.000 Euro zu.


PERSONEN
Joachim Laupenmühlen wird neuer Leiter des Würzburger Kirchengemeindeamtes. Nach Auskunft der Würzburger Dekanin Edda Weise wird der Diakon diese Aufgabe ab 1. Mai übernehmen. Joachim Laupenmühlen wird nicht nur Leiter des für die zwei Dekanate Würzburg und Kitzingen zuständigen Kirchengemeindeamtes, sondern übernimmt mit dem neuen Job auch die Geschäftsführung der Gesamtkirchengemeinde Würzburg. Er wird damit Nachfolger von Andreas Klaeger, der das Amt seit Ende 2014 geleitet hat und nun Ende April in den Ruhestand tritt.
Harald Frei, der Finanzvorstand der Rummelsberger Diakonie, will in knapp einem Jahr seinen Posten räumen. Nach gut einem Vierteljahrhundert „aufreibender Führungstätigkeit in diakonischen Einrichtungen“ sehne er sich danach, es etwas ruhiger angehen zu lassen, begründete Frei den Schritt. Er habe den Aufsichtsrat der Rummelsberger Diakonie zum Februar 2020 um die vorzeitige Auflösung seines Vertrages gebeten.

KULTURTIPPS

Ausstellung zeigt Gunter Sachs als Fotografen

In der Schweinfurter Kunsthalle ist derzeit die Ausstellung „Gunter Sachs Kamerakunst“ zu sehen. Noch bis 16. Juni stellen 170 Exponate den Industriellen, Mathematiker und Playboy (1932-2011) als Fotografen und Sammler vor. Neben eigenen Arbeiten dominiert in der Ausstellung die Fotokunst aus der Sammlung Gunter Sachs. Diese Arbeiten von professionellen Kollegen haben sein eigenes Schaffen zwar nicht immer beeinflusst. An den Wänden der Kunsthalle zeigen die Werke berühmter Lichtbildner aber deutlich den Schwerpunkt seines Interesses: Der lag auf inszenierter Fotografie, auf starken Effekten, auf Akten. Aus der Sachsschen Kunstsammlung stammen zudem einige ikonische Gemälde des 20. Jahrhunderts, etwa von René Magritte und Mel Ramos sowie anderen Surrealisten und Pop-Artisten. Auch die Beispiele für experimentelle Fotografie erscheinen in diesem Kontext als Grundlagenforschung für Sachs’ theatralische Arrangements von nackten Frauenkörpern.

Ausstellung: Vertrieben aus der alten Heimat

Eine neue Wanderausstellung lässt Menschen mit Fluchterfahrung aus zwei Jahrhunderten zu Wort kommen. Im Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus werden Fotos zum Thema „Sehnsucht Heimat. Flucht – Vertreibung – Neuanfang“ präsentiert, wie das evangelische Dekanat Nürnberg mitteilte. Ein Team von drei evangelischen Pfarrerinnen habe insgesamt 18 Frauen und Männer unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft zu Erfahrungen von Flucht oder Vertreibung interviewt. Diese Menschen verbindet, dass sie ihre Geschichte jeweils anhand eines besonderen Gegenstands aus der alten Heimat erzählen, den sie bis heute aufgehoben haben. Mit diesen Gegenständen ließen sich die Interviewten für die Ausstellung vom Nürnberger Fotografen Wolfgang Noack fotografieren. In den Bildern die noch bis 30. Mai zu sehen sind, „spiegeln sich Sehnsüchte, Hoffnungen und Kraftquellen für den Neuanfang wieder“, heißt es in der Mitteilung.

Figurentheaterfestival in vier Städten will neue Akzente setzen

figuren objekte bilder“ ist das diesjährige Motto eines der größten Theaterfestivals in Deutschland: Am 21. internationalen „figuren.theater.festival“ in den vier Städten Erlangen, Nürnberg, Fürth und Schwabach nehmen mehr als 70 Ensembles aus 20 verschiedenen Ländern teil, wie die Veranstalter mitteilten. Von 24. Mai bis 2. Juni werden zu den rund 180 Vorstellungen etwa 20.000 Zuschauer erwartet. Der Vorverkauf startet bereits am 13. April. In diesem Jahr beflügele das Figurentheater-Event die Bewerbung Nürnbergs mit der Metropolregion zur Kulturhauptstadt Europas 2025, hieß es. Ästhetisch und thematisch wolle man neue Akzente setzen.


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Herausgegeben von Michael Mädler
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